Digitale Radio Misere auf der IFA 2005 und an der Empfängerfront

 

Der für die Internationale Funkausstellung 2005 angekündigte Durchbruch für Digital Radio Mondiale ist an der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt vorbeigegangen. Die IFA-Berichterstattung in den Medien konzentrierte sich auf das Thema hochauflösendes Fernsehen (HDTV). Auf DRM wurde, wenn überhaupt, nur in Nebensätzen hingewiesen. Eigentlich kein Wunder, denn DRM-Empfänger waren auf der IFA kaum zu sehen. Lediglich die 3 relativ unbekannten Hersteller Sangean, Morphy Richards und Himalaya präsentierten - teilweise baugleiche - DRM-Musterempfänger.

Bei Musterngeräten ist es bis jetzt auch geblieben, obwohl laut "DRM-Rollout-Atlas" DRM-Empfänger "für das Weihnachtsgeschäft ab Oktober 2005 verfügbar" sein sollten. Im Dezember 2005 sind keine DRM-Geräte im Handel erhältlich. Vom angekündigten Deutsche Welle Shop, der extra für den Verkauf von DRM-Empfängern eingerichtet werden sollte, ist zum Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts nichts zu sehen. Das für den längst überfälligen Durchbruch von DRM so wichtige Weihnachtsgeschäft 2005 fällt vollkommen aus. Jetzt ruht die Hoffnung auf dem Osterhasen oder auf der nächsten IFA.

Warum sind große Elektronikkonzerne wie Sony, Samsung, Philips nicht willens, einen DRM- Empfänger "zusammenzukleben"? Die dafür erforderlichen Module und Chips sind inzwischen auf dem Markt. Für UMTS und DAB sind schließlich auch die entsprechende Geräte auf dem Markt, obwohl es (noch) keinen ausreichenden Programminhalt bzw. eine "Killerapplikation" gibt. Sollten die Chancen für einen Markterfolg von DRM dermaßen schlecht eingeschätzt werden, dass bekannte Unternehmen auf die Entwicklung (bzw. das „Zusammenstecken") von DRM- Radios verzichten? Allein mit der "geballten Vertriebspower" der Nischenanbieter Sangean, Morphy Richards und Himalaya wird DRM kaum in den Markt gedrückt werden können.

Nicht nur auf der Empfängerseite hakt es, auch beim Programmangebot tut sich äußerst wenig. Inzwischen rauschen inzwischen mehrere DRM-Sender (729, 855, 1440, 3995, 6085, 6095) vor sich hin. Bis Ende 2006 ist geplant, alle Mittel- und Langwellensender von Deutschlandfunk und Deutschlandradio auf DRM umzurüsten. Hinzu kommen private Anbieter von Nischenprogrammen auf 261 und 1575 kHz. Das war's dann vorerst. Abgesehen von den beiden privaten Programmangeboten werden also bereits vorhandene Programme, die in vielen Teilen Deutschlands einwandfrei auf UKW empfangen werden können, parallel im DRM-Modus (in quasi UKW-Mono-Qualität!) ausgestrahlt. Von anderen großen deutschen Rundfunkanstalten sind keine Pläne bekannt, in Kürze in DRM zu senden. RTL, einer der Hauptförderer der DRM-Technik, schaltet weiterhin seinen Mittelwellensender auf 1440 kHz zwischen DRM und konventionellem AM hin und her: Tagsüber läuft DRM, abends, wenn es Geld zu verdienen gibt, wird in AM gesendet. Alles in allem kaum ein Anreiz für die breite Masse, in DRM-Radios zu investieren, so sie denn eines Tages im Handel sein sollten.

Obwohl sich DRM  seit Mitte 2003 im Regelbetrieb befindet, scheint sowohl das Interesse der Konsumenten als auch das der Industrie sehr beschränkt zu sein. Sollte DRM sich zu einem Rohrkrepierer entwickeln?

 

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